Zentrallager Nationaltheater Mannheim

in ARGE mit Molter Linnemann Architekten

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Der Vorhang geht auf!

Dieser Moment und die damit verbundene stoffliche Assoziation bestimmen unsere Konzeption. Ein Theaterbesuch hebt uns aus dem Alltag heraus. Der Bühnenraum ist ein Wechselraum, eine Szenerie ständig im Wandel. Zwischen Zuschauerraum und dem Bühnenraum bildet der Vorhang eine weiche, stoffliche Begrenzung. Die Spannung steigt, im Moment des Öffnens beginnt die Interaktion zwischen Schauspielern und Zuschauern. Die Szenerien wandeln sich im gesellschaftlichen Kontext, sie sind wie ein interpretierender Spiegel.

Architektonisches Konzept

Das Zentrallager verstehen wir als großen Behälter, der Ausstattungen und Szenerien des Theaters erhält und aufbewahrt. Hier werden keine Dinge vorgehalten, sondern ganze Theaterwelten. Die Handlung des Lagerns selbst verlangt eine klare Ordnung, das konstruktive System ist bestimmt durch die Einheit der Sattel. Eine robuste Struktur entspricht dem funktionalen Anspruch. Darüber hinaus verweist die Architektur auf das Theater. Das Stoffliche, assoziativ auf den Vorgang und das Gewand des Schauspielers verweisend, bestimmt die Silhouette und den taktilen Eindruck der Hülle. Die Fassade wandelt sich in der Bewegung dem Annähernden und Passierenden, bezieht die Betrachter mit ein, erweckt die Aufmerksamkeit, und macht neugierig. Über die integrierte LED- Medienfassade kann sich das NTM an prominenter Stelle mit seinem Programm präsentieren.

Der Baukörper bildet einen Massenschwerpunkt und somit einen Orientierungspunkt in der Stadtlandschaft. Gegenüber dem Kulturzentrum Jungbusch platziert, setzt er die kulturelle Spur fort. Im Spannungsfeld zwischen dem Gebäudetypus und kulturellem Inhalt komplettiert das Zentrallager die über die ganze Stadt verteilten Gebäude des NTM.

Zwischen dem künftigen Kostümlager und dem Neubau des Zentrallagers spannt sich ein übersichtlicher Betriebshof auf. Der Recyclinghof wird auf der bahnabgewandten Seite angeordnet, aus dem Sichtfeld genommen. Auch das Reservetor zum Zentrallager mit der zweiten Anlieferungszone liegt hier. Die restliche Fläche kann als Schotterrasen versickerungsfähig ausgebaut werden. Im Norden des Grundstücks kann durch diese Gebäude- und Außenraumdisposition ein Streifen von ca. 3.600 m² zur weiteren Verfügung herausgetrennt werden.

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1. Preis in ARGE mit Molter Linnemann Architekten

Städtebau und Außenraum

Der kompakte, auf einem quadratischen Grundriss basierende Solitär, angelehnt an das “mannheimerische” Quadrat, setzt zum einen die Strukturrichtung des Hafengebiets fort, zum anderen vermittelt er zur benachbarten Struktur des Jungbuschs. Das Gebäude ist passend zum Hafengebiet großmaßstäblich und kräftig entwickelt. Über die Ecke wahrgenommen strahlt sein Volumen maximal sichtbar aus. Zusammen mit der in Ziegelbauweise errichteten Halle auf der gegenüberliegenden Straßenseite steht das Bestandsgebäude für historische Kontinuität und auch die für ein Hafengebiet typische unterschiedlichen Maßstäbe.

Konstruktion und Material

Gebäudehülle und Konstruktion werden aus dem nachhaltigen Werkstoff Holz angefertigt. Im Holz wird klimawirksam CO² gespeichert und auf lange Zeit gebunden. Die Holzbauweise benötigt auch weniger fossile Energie für seine Herstellung als andere, konventionelle Baumaterialien. Die für Holzbauweise typische Kombination von integrativen und additiven Dämmebenen in der Hüllkonstruktion von Außenwänden und Dächern kommt zur Ausführung und ergibt eine hochwertige Gebäudehülle. Die Vorfertigung sichert eine kurze Bauzeit und hohe Qualität. Das Material Holz verweist auf den Bühnenbau und gleichzeitig auch auf das Verwahren der Theaterwelten in Holz. Die Konstruktionsweise entspricht in der Fügung seinen Inhalten.

Das Dach des Zentrallagers ist über 52m stützenfrei gespannt. Eingesetzt werden schlanke Fachwerkträger, mit Ober- und Untergurten aus hochfestem, heimischem Buchenholz und Streben/Vertikalen aus konventionellem Fichten- Brettschichtholz. Aufgelagert wird das Dachtragwerk auf in die Außenwand integrierten Buchenholzstützen, deren Querschnitt flächenbündig in die Außenwand einschließt. Im dreigeschossigen Aufbewahrungs- und Lagerbereich wird über eine Spannweite von ca. 17,50 m eine Holz-Betonverbunddecke als Rippendecke ausgeführt.